Sie haben ein Update eingespielt und die Seite ist weiß. Kein Text, keine Fehlermeldung, auch das Backend nicht erreichbar. Das ist unangenehm, aber in den meisten Fällen in zwanzig Minuten repariert — ohne dass Sie etwas verlieren.
Wichtig vorweg: Nichts ist gelöscht. Ihre Texte stehen in der Datenbank, Ihre Bilder auf dem Server. Was kaputt ist, ist ein PHP-Fehler, der die Ausgabe abbricht. Gehen Sie die folgenden Schritte der Reihe nach durch und hören Sie auf, sobald die Seite wieder da ist.
Schritt 0: Nichts überstürzen
- Nicht WordPress neu installieren.
- Nicht die Datenbank leeren.
- Nicht ein weiteres Update einspielen, in der Hoffnung, dass es sich behebt.
- Zuerst eine Sicherung des aktuellen Zustands ziehen, falls Ihr Hoster das per Klick anbietet. Auch ein kaputter Zustand ist ein Zustand, zu dem man zurück können sollte.
Schritt 1: Fehlermeldung sichtbar machen
Der weiße Bildschirm ist nur die Abwesenheit einer Meldung. Schalten Sie die Meldung ein, dann steht dort in der Regel die Lösung.
Per FTP oder Dateimanager die Datei wp-config.php öffnen. Suchen Sie die Zeile define( 'WP_DEBUG', false ); und ersetzen Sie sie durch:
define( 'WP_DEBUG', true );define( 'WP_DEBUG_LOG', true );define( 'WP_DEBUG_DISPLAY', false );
Seite neu laden, dann /wp-content/debug.log öffnen. Die letzte Zeile nennt Datei und Zeilennummer — und damit fast immer das schuldige Plugin oder Theme.
Setzen Sie WP_DEBUG am Ende wieder auf false. Eine Live-Seite mit aktivem Debug-Modus verrät Fremden mehr, als ihnen zusteht.
Schritt 2: Plugins stilllegen — ohne Backend
Der häufigste Auslöser ist ein Plugin, das mit der neuen Version nicht mehr zurechtkommt. Wenn Sie nicht ins Backend kommen, geht es trotzdem:
- Per FTP in den Ordner
/wp-content/wechseln. - Den Ordner
pluginsinplugins-ausumbenennen. - Seite aufrufen. Ist sie wieder da, war es ein Plugin.
- Ordner zurück in
pluginsumbenennen. Alle Plugins sind jetzt deaktiviert, aber vorhanden. - Im Backend eines nach dem anderen aktivieren und nach jedem die Seite aufrufen. Das Plugin, bei dem es wieder weiß wird, ist der Täter.
Das Umbenennen des Ordners löscht nichts. Einstellungen bleiben in der Datenbank und sind nach dem Reaktivieren wieder da.
Schritt 3: Theme prüfen
War es kein Plugin, ist meist das Theme dran — besonders bei Kauf-Themes, die seit Monaten kein Update bekommen haben.
Dasselbe Verfahren: den Ordner des aktiven Themes unter /wp-content/themes/ umbenennen. WordPress fällt dann automatisch auf ein Standard-Theme zurück. Erscheint Ihre Seite in schlichtem Layout, wissen Sie Bescheid.
Schritt 4: Speicherlimit erhöhen
Manchmal ist es kein Fehler, sondern schlicht zu wenig Arbeitsspeicher. In wp-config.php oberhalb der Zeile „That’s all, stop editing“ einfügen:
define( 'WP_MEMORY_LIMIT', '256M' );
Wirkt nur, wenn Ihr Hoster das zulässt. Bei sehr günstigen Paketen ist das Limit serverseitig gedeckelt — dann hilft nur ein Gespräch mit dem Support.
Schritt 5: Zurück auf die letzte funktionierende Fassung
Wenn nichts davon greift, spielen Sie die Sicherung von vor dem Update ein. Das ist keine Niederlage, sondern der Grund, warum man sichert.
Danach — und das ist der Teil, den die meisten überspringen — dasselbe Update in einer Testumgebung wiederholen und dort herausfinden, was bricht. Wie Sie überhaupt zu brauchbaren Sicherungen kommen, steht in meinem Beitrag zum WordPress-Backup.
Damit es nicht wieder passiert
- Vor jedem Update sichern. Datenbank und Dateien, nicht nur eines von beidem.
- Nicht freitagnachmittags aktualisieren. Das klingt wie ein Witz und ist der beste Rat in diesem Text.
- Automatische Updates nur für Sicherheitslücken, nicht für Funktionsversionen.
- Eine Testumgebung. Viele Hoster bieten eine Staging-Kopie per Klick an. Dort aktualisieren, prüfen, dann live.
- Weniger Plugins. Jedes zusätzliche ist eine weitere Stelle, an der ein Update schiefgehen kann — siehe WordPress-Webdesign.
Häufige Fragen
Sind meine Inhalte weg?
Nein. Beiträge, Seiten und Einstellungen liegen in der Datenbank, Bilder im Uploads-Ordner. Ein weißer Bildschirm ist ein Anzeigefehler, kein Datenverlust.
Ich komme nicht per FTP rein — was dann?
Fast jeder Hoster bietet im Kundenbereich einen Dateimanager im Browser. Der kann dasselbe: Dateien öffnen, bearbeiten, Ordner umbenennen. Die Zugangsdaten stehen in der Bestätigungsmail von damals.
Und wenn statt der weißen Seite ein Fehler 500 kommt?
Dasselbe Vorgehen. Zusätzlich lohnt ein Blick in die .htaccess: umbenennen, Seite aufrufen, und wenn sie wieder da ist, im Backend unter Einstellungen → Permalinks einmal speichern. Das schreibt die Datei neu.
Warum passiert das überhaupt?
Meist, weil ein Plugin eine PHP-Funktion nutzt, die in der neuen Version entfernt wurde, oder weil zwei Plugins dieselbe Funktion definieren. Beides fällt erst im Zusammenspiel auf — deshalb die Testumgebung.
Fazit
Weißer Bildschirm heißt: Ein Stück Code bricht ab, bevor irgendetwas ausgegeben wird. Debug-Log einschalten, Plugins stilllegen, Theme prüfen, Speicher erhöhen. In dieser Reihenfolge findet man den Auslöser fast immer innerhalb einer halben Stunde.
Wenn Sie gerade mittendrin stecken und es eilig ist: schreiben Sie mir kurz, was Sie zuletzt gemacht haben. Das ist meistens schon die halbe Diagnose.

Gunther Schoepf