WordPress läuft auf gut vier von zehn Websites weltweit. Das macht es nicht automatisch zur richtigen Wahl — es macht nur, dass es selten hinterfragt wird.
Ich baue seit 2005 Websites und arbeite je nach Projekt mit WordPress oder mit Travcom24. Deshalb vorweg das, was in den meisten WordPress-Artikeln fehlt: eine ehrliche Abgrenzung, wann sich das System lohnt und wann es Ihnen im Weg steht.
Wann WordPress die richtige Wahl ist — und wann nicht
WordPress passt, wenn Sie Inhalte selbst pflegen wollen, wenn die Seite über die Jahre wachsen soll und wenn Sie nicht dauerhaft an einen einzigen Dienstleister gebunden sein möchten. Der Code gehört Ihnen, der Umzug zu einem anderen Hoster oder Entwickler ist jederzeit möglich. Das ist der eigentliche Vorteil, nicht die Zahl der Plugins.
WordPress passt nicht, wenn Ihr Geschäft an einer Fachanwendung hängt, die es als Standard schon gibt. Ein Reisebüro mit angebundener Buchungsmaschine fährt mit einer Branchenlösung besser als mit fünf Plugins, die dasselbe nachbauen. Dasselbe gilt für komplexe Warenwirtschaft oder Buchungslogik mit Verfügbarkeitsprüfung.
Und WordPress passt nur bedingt, wenn niemand die Wartung übernimmt. Ein System, das nicht aktualisiert wird, ist nach zwei Jahren eine offene Tür. Wer das nicht leisten kann oder will, braucht entweder einen Wartungsvertrag oder ein gehostetes System.
Die vier Faktoren, an denen ein WordPress-Projekt hängt
1. Das Fundament: Theme und Editor
Die meisten Probleme, die ich bei bestehenden Websites finde, gehen auf diese eine Entscheidung zurück. Ein überladenes Kauf-Theme mit mitgeliefertem Seitenbaukasten, drei Slidern und einem eigenen Plugin-Ökosystem sieht im Demo-Import gut aus und ist drei Jahre später nicht mehr zu bewegen.
Was ich stattdessen mache: ein schlankes Theme, ein Seitenbaukasten, ein Design-System mit festen Farb-, Abstands- und Schriftwerten. Klingt unspektakulär, ist aber der Unterschied zwischen „Überschrift ändern“ in zehn Sekunden und in zehn Minuten.
2. Geschwindigkeit
Ladezeit ist kein Feinschliff am Ende, sondern eine Folge der Bauweise. Die üblichen Verdächtigen, in der Reihenfolge ihrer Wirkung:
- Bilder. Unkomprimierte Fotos in Originalgröße sind bei fast jeder langsamen Seite der Hauptgrund. Moderne Formate und die richtige Ausgabegröße bringen mehr als jedes Caching-Plugin.
- Zu viele Plugins. Jedes lädt eigenes CSS und JavaScript, oft auf jeder Seite, auch wenn es nur auf einer gebraucht wird.
- Schriften. Vier Schriftschnitte von einem externen Server kosten spürbar Zeit — und sind in der EU ohnehin ein Thema für sich.
- Hosting. Billiges Shared Hosting mit veralteter PHP-Version macht jede Optimierung wieder zunichte.
Für den ersten Punkt nutze ich PicPrepper — damit gehen Bilder in einem Durchgang in der richtigen Größe und im richtigen Format raus, statt einzeln von Hand.
3. Struktur statt Seitenfriedhof
Websites wachsen ungeplant. Nach drei Jahren gibt es vier Seiten zum selben Thema, zwei davon aus dem Menü nicht erreichbar. Suchmaschinen wissen dann nicht, welche gemeint ist, und Besucher finden die falsche.
Eine brauchbare Struktur beantwortet zwei Fragen: Welche Seite ist für welches Anliegen zuständig, und wie komme ich in maximal drei Klicks dorthin? Alles andere — Kategorien, Schlagwörter, Breadcrumbs — folgt daraus. Wie ich das im Detail angehe, steht im Beitrag zur Onsite-Optimierung.
4. Wartung
WordPress selbst ist nicht unsicher. Unsicher sind veraltete Plugins, schwache Passwörter und fehlende Backups. Konkret heißt Wartung:
- Updates einspielen, aber vorher sichern — wie das geht, steht in meinem Beitrag zum Backup einer WordPress-Seite.
- Plugins aussortieren, die niemand mehr nutzt. Jedes deaktivierte, aber installierte Plugin bleibt ein Risiko.
- Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Konten mit Schreibrechten.
- Einmal im Jahr prüfen, ob die Datenschutzerklärung noch zur tatsächlichen Technik passt — dazu die DSGVO-Checkliste.
Elementor, Gutenberg oder Block-Theme?
Die Frage kommt in fast jedem Erstgespräch. Kurz gefasst:
- Gutenberg — der Block-Editor, den WordPress mitbringt. Schnell, schlank, für Blogbeiträge und einfache Seiten völlig ausreichend. Beim Layout stößt man früh an Grenzen.
- Elementor Pro — deutlich mehr Gestaltungsfreiheit, eigene Vorlagen für Kopf, Fuß und Beitragsseiten, Formulare inklusive. Kostet Ladezeit und Lizenzgebühr. Ich setze es dort ein, wo das Layout tragend ist.
- Block-Themes mit Full Site Editing — der Weg, den WordPress selbst geht. Schlank und zukunftssicher, aber im Alltag noch spröde, sobald es ums Feinere geht.
Mein Standard: Elementor für die Seitenvorlagen, Gutenberg für die Inhalte der Beiträge. So bleibt der Text vom Layout getrennt — und ein Redesign betrifft nur die Vorlage, nicht jeden einzelnen Beitrag.
Was in WordPress-Projekten am meisten Zeit kostet
Nicht das Bauen. Sondern drei Dinge, die vorher niemand auf dem Zettel hat:
- Inhalte. Texte und Bilder kommen fast immer später als geplant. Wer vor dem Projektstart weiß, wer die Texte schreibt, spart Wochen.
- Altlasten. Bestehende Seiten, deren Inhalt keiner mehr verantworten will, aber auch niemand löschen mag.
- Freigaben ohne Entscheider. Drei Meinungen ohne klare Zuständigkeit verlängern jede Runde.
Häufige Fragen
Was kostet eine WordPress-Website?
Die Spanne ist groß, weil „Website“ alles zwischen einer Visitenkarte und einem Portal mit Anbindung bedeutet. Seriös lässt sich das erst nach einem Gespräch über Umfang, Funktionen und Inhalte sagen. Wer eine Zahl nennt, bevor er die Anforderungen kennt, rät.
Kann ich meine WordPress-Seite selbst pflegen?
Texte, Bilder und neue Beiträge: ja, und genau dafür ist das System gedacht. Updates, Backups und Sicherheit: besser nicht nebenbei. Das ist die Aufteilung, die in der Praxis am besten funktioniert.
Kann ich von einem Baukastensystem zu WordPress wechseln?
Ja. Der Aufwand steckt nicht in der Technik, sondern in den Inhalten und den Weiterleitungen. Jede bisherige URL braucht ein Ziel, sonst verlieren Sie Rankings, die Sie sich über Jahre erarbeitet haben.
Ist WordPress gut für SEO?
WordPress ist dafür weder gut noch schlecht — es steht dem nicht im Weg. Entscheidend sind saubere Struktur, schnelle Ladezeiten und Inhalte, die eine Frage beantworten. Welche Werkzeuge dabei helfen, steht in meiner Übersicht der OnPage-SEO-Tools.
Fazit
Ein erfolgreiches WordPress-Projekt entscheidet sich vor der ersten Zeile Code: beim Theme, bei der Struktur und bei der Frage, wer die Seite später pflegt. Die Gestaltung ist der sichtbare Teil, nicht der schwierige.
Wenn Sie vor genau dieser Entscheidung stehen — ob WordPress, ob Relaunch, ob eigene Pflege: So arbeite ich im Webdesign, und hier erreichen Sie mich.

Gunther Schoepf