KI für Freiberufler: was nach zwei Jahren übrig ist

15.09.2026

6 Min. Lesezeit

Zuletzt bearbeitet: 15.10.2026

Künstliche Intelligenz für Freiberufler

Ich arbeite seit über zwanzig Jahren selbstständig im Webdesign. Seit KI-Werkzeuge alltagstauglich sind, hat sich mein Arbeitstag an einigen Stellen deutlich verändert — und an vielen anderen überhaupt nicht.

Dieser Beitrag ist der ehrliche Kassensturz: was geblieben ist, was ich wieder abgeschafft habe, und die drei Regeln, ohne die der ganze Aufwand nichts bringt. Wie die Technik dahinter arbeitet, steht in Künstliche Intelligenz einfach erklärt.

Was bei mir geblieben ist

Erste Entwürfe

Die leere Seite ist der teuerste Zustand im Tagesgeschäft. Ein Entwurf, der zu sechzig Prozent stimmt, lässt sich in zwanzig Minuten auf hundert bringen — von null auf hundert dauert zwei Stunden.

Wichtig ist die Richtung: Ich lasse nichts erfinden, ich lasse vorhandenes Material umformen. Stichpunkte aus einem Kundengespräch werden ein Angebotstext, ein Protokoll wird eine Aufgabenliste.

Technik erklären

Einem Kunden zu erklären, warum ein Zertifikat abgelaufen ist oder was ein Weiterleitungsfehler bedeutet, kostete früher einen Anruf und danach eine E-Mail, die ich dreimal umgeschrieben habe. Heute steht der Entwurf in einer Minute — in einer Sprache ohne Fachbegriffe.

Code und Konfiguration

Ein Regelwerk für Weiterleitungen, eine CSS-Eigenart in einem alten Theme, ein Stück PHP für eine Sonderfunktion. Das ist die Anwendung, bei der ich am meisten Zeit spare — und die, bei der ich am gründlichsten prüfe. Ein Vorschlag, der plausibel aussieht und nicht funktioniert, kostet mehr Zeit, als er spart.

Übersetzen

Deutsch und Englisch parallel zu pflegen, war früher ein eigener Arbeitsschritt. Heute ist es ein Durchgang mit anschließender Korrektur. Verlassen würde ich mich darauf nur, wenn ich die Zielsprache selbst beurteilen kann.

Bilder

Freistellen, Hintergründe bereinigen, Varianten in verschiedenen Formaten. Für Stimmungsbilder auf einer Website ist das sehr brauchbar geworden. Für alles, was exakt stimmen muss — Logos, Produktdarstellungen, Schrift im Bild — nach wie vor nicht.

Die Ausgabe ins Web ist ein eigenes Thema, das kein Bildgenerator löst. Dafür habe ich PicPrepper gebaut; für Social-Media-Beiträge in der Reisebranche TravelPost.

Was ich wieder abgeschafft habe

  • Ganze Blogbeiträge erzeugen lassen. Das Ergebnis ist grammatikalisch einwandfrei und vollkommen austauschbar. Es rankt nicht, weil es nichts enthält, was nicht schon hundertmal im Netz steht.
  • Recherche ohne Quellen. Zu oft plausible Angaben, die es nicht gibt. Recherche mache ich nur noch mit angebundener Websuche und prüfe jede Quelle, die ich verwende.
  • Eine Sammlung gespeicherter Anweisungen. Ich hatte zwei Dutzend vorformulierte Eingaben. Genutzt habe ich drei. Der Rest war Beschäftigung mit dem Werkzeug statt mit der Arbeit.
  • Die Suche nach dem besten Modell. Der Unterschied zwischen den großen Anbietern ist kleiner als der zwischen einer schlechten und einer guten Eingabe. Ein Werkzeug wählen und dabei bleiben.

Die drei Regeln, die den Unterschied machen

  1. Material rein, nicht Wünsche rein. „Schreib mir einen Text über Webdesign“ liefert Füllstoff. Drei Absätze eigene Notizen plus „mach daraus einen Text für Reisebüro-Inhaber“ liefert etwas Brauchbares.
  2. Alles prüfen, was eine Tatsache ist. Zahlen, Namen, Daten, Links, Gesetze, Preise. Ausnahmslos. Der Zeitgewinn liegt beim Formulieren, nicht beim Wissen.
  3. Nie ungelesen weitergeben. Was Ihren Namen trägt, verantworten Sie — nicht der Anbieter.

Bessere Eingaben in vier Schritten

  1. Rolle und Zielgruppe nennen. Für wen ist der Text, was weiß diese Person bereits?
  2. Material mitgeben. Notizen, Stichpunkte, das alte Dokument, die Datei. Je mehr Eigenes, desto weniger Erfundenes.
  3. Format vorgeben. Länge, Gliederung, Tonfall, was auf keinen Fall vorkommen soll. Der letzte Punkt wird meist vergessen und wirkt am stärksten.
  4. Ein Beispiel anhängen. Zwei eigene, gute Texte als Muster bringen mehr als jede Stilbeschreibung.

Und danach: nachbessern statt neu anfangen. „Der zweite Absatz ist zu werblich, kürzer und konkreter“ führt schneller zum Ziel als eine komplett neue Eingabe.

Was es kostet

Zwischen 20 und 30 Euro im Monat für einen Geschäftszugang, je nach Anbieter. Bei mir ersetzt das keine Ausgabe, sondern kauft Zeit — realistisch zwei bis vier Stunden pro Woche, fast vollständig beim Schreiben und Erklären.

Die kostenlosen Varianten reichen zum Ausprobieren. Für Berufliches sind sie kein guter Weg, weil bei ihnen in der Regel mit den Eingaben weitertrainiert wird.

Grenzen, die bleiben

  • Vertrauliches. Bei Projekten mit Geheimhaltungsvereinbarung geht nichts in einen Clouddienst. Entweder ein Modell im eigenen Netz oder eben von Hand.
  • Kundendaten. Namen, Adressen, Vertragsinhalte gehören nur in einen Zugang mit Auftragsverarbeitungsvertrag und abgeschalteter Trainingsnutzung.
  • Verantwortung. Wenn ein Angebot einen falschen Preis enthält, hilft es Ihnen nicht, dass ihn ein Modell vorgeschlagen hat.
  • Beziehung zum Kunden. Der Teil meiner Arbeit, der über Aufträge entscheidet, findet weiterhin im Gespräch statt.

Eine Pflicht, die schon gilt

Seit dem 2. Februar 2025 verlangt die EU-KI-Verordnung, dass wer KI beruflich einsetzt, für ausreichende KI-Kompetenz der damit befassten Personen sorgt. Für Einzelunternehmer heißt das: sich selbst nachweislich eingearbeitet haben. Ein Zertifikat ist nicht vorgeschrieben, eine kurze eigene Dokumentation genügt.

Weitere Stufen der Verordnung greifen ab dem 2. August 2026, betreffen aber vor allem Anbieter und Hochrisiko-Anwendungen. Wer fremde Werkzeuge für Texte nutzt, ist davon in der Regel nicht betroffen. Das ist keine Rechtsberatung — im Zweifel fragen Sie jemanden mit Zulassung.

Häufige Fragen

Soll ich meinen Kunden sagen, dass ich KI einsetze?

Ich halte es wie mit jedem anderen Werkzeug: Ich erzähle auch nicht, welchen Editor ich benutze. Etwas anderes ist es, wenn jemand ausdrücklich handgeschriebene Texte beauftragt oder danach fragt — dann gehört eine klare Antwort dazu.

Muss ich meine Preise senken, wenn ich schneller werde?

Nein. Sie berechnen ein Ergebnis, keine Stunden am Gerät. Wer über Zeitgewinn seine Preise drückt, gibt genau den Vorteil weg, den er sich gerade erarbeitet hat.

Womit fange ich an?

Mit der Aufgabe, die Sie diese Woche ohnehin machen müssen und die Ihnen am meisten widerstrebt. Nicht mit einem Kurs und nicht mit einer Werkzeugliste.

Ersetzt das meinen Beruf?

Es ersetzt Arbeitsschritte. In meinem Fall das Schreiben erster Fassungen und einen Teil der Fehlersuche. Was es nicht ersetzt: einschätzen, was ein Kunde wirklich braucht, entscheiden, und für das Ergebnis geradestehen. Dasselbe gilt für den Einzelhandel und praktisch jede andere Branche.

Fazit

KI hat bei mir nichts abgeschafft und niemanden ersetzt. Sie hat die Strecke zwischen „ich weiß, was ich sagen will“ und „es steht da“ deutlich verkürzt. Das ist unspektakulär und im Alltag viel wert.

Was ich sonst einsetze und gebaut habe, steht unter Tools. Wenn Sie überlegen, wo sich das bei Ihnen lohnt: schreiben Sie mir kurz.

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

Gunther SchoepfGunther SchoepfWebdesign, SEO & eigene Tools

Ich baue Websites, die klar führen — mit Schwerpunkt auf Reiseveranstaltern und Reisebüros, aber genauso für andere Branchen.

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Aus der Praxis

Sie wollen das auf Ihrer eigenen Website umsetzen?

Erzählen Sie mir kurz, worum es geht. Ich sage Ihnen ehrlich, ob und wie ich helfen kann — das erste Gespräch kostet Sie nichts.