Ein Logo muss nicht gefallen. Es muss erkennbar sein, überall funktionieren und in zehn Jahren noch tragen. Alles andere ist Geschmack, und Geschmack ist der Grund, warum Logo-Projekte sich hinziehen.
Die folgenden dreizehn Punkte sind das, worauf ich bei einem Logo achte — in der Reihenfolge, in der sie im Projekt auftauchen.
Was ein Logo leisten muss
- Erkennbar sein — auch klein, auch einfarbig, auch aus dem Augenwinkel.
- Unterscheidbar sein — von den drei nächstliegenden Wettbewerbern, nicht von allen Logos der Welt.
- Überall funktionieren — auf dem Bildschirm, auf Papier, gestickt, graviert, als 32 Pixel großes Browsersymbol.
Wenn ein Entwurf eines dieser drei Kriterien reißt, hilft keine Nachbesserung an Farbe oder Schriftart.
Vorbereitung (1 bis 4)
- Klären Sie zuerst, wofür das Logo stehen soll. Nicht „modern und seriös“ — das will jeder. Sondern: Was unterscheidet Sie von dem Betrieb zwei Straßen weiter? Ein Satz genügt, aber er muss stimmen.
- Sehen Sie sich den Wettbewerb an. Legen Sie die Logos Ihrer fünf wichtigsten Mitbewerber nebeneinander. Wenn alle blau sind und einen Kreis haben, wissen Sie, was Sie nicht machen.
- Legen Sie fest, wo das Logo überall auftaucht. Website, Rechnung, Fahrzeug, Arbeitskleidung, Schaufenster, Social-Media-Profilbild. Diese Liste bestimmt, welche Varianten Sie am Ende brauchen.
- Prüfen Sie den Namen, bevor Sie gestalten. Ist die Wortmarke schon geschützt? Ist die Domain frei? Ein fertiges Logo für einen Namen, den Sie nicht führen dürfen, ist teuer.
Gestaltung (5 bis 9)
- Fangen Sie in Schwarzweiß an. Ein Logo, das nur durch Farbe funktioniert, funktioniert nicht. Farbe kommt zuletzt.
- Halten Sie die Form reduziert. Die Faustregel: Kann jemand das Logo nach zehn Sekunden Betrachtung grob aus dem Kopf zeichnen? Wenn nicht, ist es zu komplex.
- Testen Sie früh in klein. Drucken Sie den Entwurf in Daumennagelgröße aus. Was dort zu Matsch wird — dünne Linien, filigrane Verläufe, feine Schrift — fliegt raus.
- Wählen Sie höchstens zwei Schriften und zwei Farben. Und wandeln Sie die Schrift in Pfade um, sobald der Entwurf steht. Sonst bricht das Logo auf jedem Rechner, auf dem die Schrift fehlt.
- Vermeiden Sie Moden. Verläufe, lange Schatten, Farbverlaufsnetze — jede dieser Moden datiert ein Logo auf zwei Jahre genau. Was in zehn Jahren noch stehen soll, verzichtet darauf.
Umsetzung und Dateien (10 bis 13)
- Bestehen Sie auf Vektordaten. AI, EPS oder SVG. Ein Logo, das Sie nur als PNG bekommen, können Sie nicht auf ein Fahrzeug bringen und nicht sticken lassen. Das ist der häufigste Fehler bei günstig eingekauften Logos.
- Lassen Sie sich alle Varianten geben. Farbig, einfarbig schwarz, einfarbig weiß (negativ), mit und ohne Zusatz. Dazu die Farbwerte in RGB, HEX und CMYK sowie die Vorgaben für Mindestgröße und Schutzraum.
- Klären Sie die Rechte schriftlich. Wer ein Logo bezahlt, hat nicht automatisch alle Nutzungsrechte. Das gehört in den Auftrag, nicht in ein späteres Gespräch.
- Prüfen Sie es im echten Umfeld. Nicht auf weißem Hintergrund, sondern auf der Ladenfront, auf dem Briefkopf, als Profilbild. Genau dafür sind Mockups da — sie zeigen den Entwurf dort, wo er später steht, und verkürzen die Abstimmung erheblich.
Die häufigsten Fehler
- Das Logo erzählt, was die Firma tut. Ein Zahn für den Zahnarzt, ein Haus für den Makler. Austauschbar und einschränkend, sobald sich das Angebot erweitert.
- Zu viele Entscheider. Drei Meinungen ohne klare Zuständigkeit ergeben einen Kompromiss, den niemand wollte.
- Der Slogan klebt fest am Logo. Er ändert sich, das Logo soll bleiben. Also trennbar halten.
- Nur eine Größe. Ein Logo mit Zusatzzeile braucht eine reduzierte Variante fürs Profilbild.
- Kein Weißraum. Der Abstand um das Logo gehört zum Logo. Steht es gedrängt zwischen anderen Elementen, wirkt es billig.
Logo mit KI erzeugen — geht das?
Für erste Ideen und Richtungen: durchaus. Als fertiges Logo: nein, aus drei nüchternen Gründen.
Erstens liefern Generatoren Pixelbilder, keine Vektordaten. Sie können das Ergebnis nicht sauber skalieren und nicht in Produktion geben, ohne es nachzubauen.
Zweitens sind die Ergebnisse generisch. Die Modelle sind auf existierenden Logos trainiert und geben den Durchschnitt zurück — das Gegenteil von unterscheidbar. Und gelegentlich kommt etwas heraus, das einer bestehenden Marke zu nahe kommt.
Drittens, und das ist der teure Punkt: Die Schutzfähigkeit rein maschinell erzeugter Gestaltung ist rechtlich nicht geklärt. Wer eine Marke aufbauen und verteidigen will, sollte sich darauf nicht verlassen. Das ist keine Rechtsberatung, aber ein Grund, im Zweifel nachzufragen.
Sinnvoll ist der Mittelweg: Generator für die Ideensuche, danach von Hand in Vektoren aufbauen.
Wie lange ein Logo dauert
Die Gestaltung selbst ist der kürzeste Teil. Was Zeit kostet, ist das Vorher — die Frage, wofür die Marke steht — und das Nachher: Varianten, Dateiformate, Vorgaben zur Anwendung.
Realistisch sind zwei bis vier Wochen, wenn Rückmeldungen zügig kommen. Projekte, die länger laufen, scheitern fast immer an Punkt 1 dieser Liste, nicht an der Gestaltung.
Häufige Fragen
Welche Dateiformate brauche ich am Ende?
Vektor als SVG (Web) und EPS oder PDF (Druck), dazu PNG mit transparentem Hintergrund in mehreren Größen und ein ICO oder SVG als Browsersymbol. Wer nur ein JPG bekommt, hat kein Logo bekommen, sondern ein Bild davon.
Muss ich mein Logo schützen lassen?
Ein Markenschutz ist keine Pflicht, aber die einzige belastbare Absicherung, wenn jemand etwas sehr Ähnliches verwendet. Die Recherche vorab ist in jedem Fall sinnvoll — sie kostet wenig und verhindert Ärger.
Wann ist ein Redesign fällig?
Wenn das Logo technisch nicht mehr trägt — keine Vektordaten, nicht lesbar in klein, keine dunkle Variante. Oder wenn sich das Angebot so verändert hat, dass das Bildmotiv nicht mehr stimmt. Nicht, weil es „alt“ aussieht: Ein Logo, das Menschen kennen, hat einen Wert, den ein frischer Look nicht aufwiegt.
Kann ich mein Logo selbst gestalten?
Ja, und bei einem kleinen Nebenprojekt ist das völlig in Ordnung. Nehmen Sie ein Vektorprogramm, halten Sie es reduziert und arbeiten Sie die Punkte 5 bis 13 dieser Liste ab. Der Unterschied liegt weniger im Zeichnen als in der Vorarbeit.
Fazit
Ein gutes Logo ist selten das auffälligste. Es ist das, das in jeder Größe funktioniert, sich von den Nachbarn unterscheidet und Sie nicht in zwei Jahren wieder beschäftigt.
Beispiele aus Kundenprojekten finden Sie in meinen Referenzen. Wenn Sie ein Logo oder einen kompletten Auftritt brauchen: schreiben Sie mir kurz, worum es geht.

Gunther Schoepf